Ausstellung von Holger Schnel

Ausstellung von Holger Schnel

„Severe Beauty – Strenge Schönheit“



„Jede bestehende Erscheinung ist eine Schöpfung des Denkens“ (Huangbo Xiyun, „Der Geist des Zen“)
Strenge Schönheit entsteht nicht aus dem Überbordenden, sondern aus Reduktion. Reduktion ist eine Form von Abstraktion. Sie versucht, die Dinge auf Wesentliches zurückzuführen, einen inneren Kern, eine Essenz.

Reduktion ist artifiziell. Es gibt zwar Reduktion in der Natur: bei bestimmten Witterungslagen etwa, im Nebel, der die Feinheiten der Struktur aufhebt, oder im Schnee, der nur die äußere Form zurücklässt … Aber der eigentliche Ort der Reduktion ist die Kunst.
Bei Gebrauchsgegenständen erschließt sich der künstlerische Aspekt meist erst, wenn der Gegenstand als Ganzes und seine Funktionalität ausgeblendet werden, also durch eine Verengung des Blicks. Eine Stadt etwa kann faszinieren und inspirieren, aber sie ist nicht – außer in metaphorischer Rede – Kunst. Das gleiche gilt für einzelne Straßen, Plätze, Häuser. Erst das Scharfstellen auf architektonische Details, ein Stück Fassade, Fenster, eine Lichtreflexion, öffnen den Blick für etwas Neues, einen genuin ästhetischen Blick.
Essenz meint also nicht etwas, das in den Dingen schon angelegt und durch die Kunst aus dem Verborgenen ins Offene gebracht wird. Es geht weder um Mimesis noch um Enthüllung. Die Reduktion von Komplexität schafft vielmehr einen Freiraum für die imaginative Entfaltung der Sinne, und in diesem Prozess konzentrierter Entspannung entsteht – Schönheit. Schönheit der abstrakten Form, Linien, Licht, Schatten: Strenge Schönheit, Severe Beauty.

„White Wall“

Ein Teil der Ausstellung „Severe Beauty – Strenge Schönheit“ bilden Fotos der Serie „White Wall“. Weiße Wände sind Projektionsflächen der Fantasie. Licht und Schatten erzeugen geometrische Formen, manchmal streng abgegrenzt, manchmal mit fließenden Übergängen. Die Muster und Strukturen scheinen zufällig, sie variieren je nach dem Stand der Sonne oder dem Ort des Betrachters – und doch wirken sie bedingt, wie Chiffren einer verborgenen Wirklichkeit. Diese verborgene Wirklichkeit existiert nicht hinter den Dingen, sie ist keine Transzendenz. Sie entsteht vielmehr aus den Assoziationen, den Erfahrungen, Wünschen und Träumen des Beobachters – im Prozess der Erstellung und Bearbeitung eines Bildes ebenso wie bei der späteren Betrachtung, immer wieder neu.
Die Bilder der „White Wall“-Reihe stehen exemplarisch für das Leitmotiv der Ausstellung „Severe Beauty – Strenge Schönheit“. Eine abstrakte Architekturfotografie, die nicht von etwas, sondern zu etwas abstrahiert, die durch Reduktion einen Freiraum schafft, in dem der Geist immer wieder Neues formen kann.
Alle Bilder der „White Wall“-Reihe sind quadratische Graustufenbilder. Die Aufnahmen entstanden zumeist zufällig, bei Spaziergängen durch Berlin und andere Städte.

Kurzbiografie

Holger Schnell

  • geboren 1959 in Marburg/Lahn, aufgewachsen in Siegen
  • Studium der Evangelischen Theologie, Philosophie und Germanistik in Siegen und Heidelberg
  • seit 1990 Tätigkeit als freiberuflicher Lektor und Publizist mit dem Schwerpunkt Kultur-, Literatur- und Filmgeschichte
  • seit 1998 in Berlin, unterbrochen durch einen fünfjährigen Auslandsaufenthalt in der Volksrepublik China
  • seit 2007 Tätigkeit als freiberuflicher Fotograf

Ausstellungseröffnung: Samstag, 30. Januar von 14:00 bis 17:00 Uhr
Ausstellungsdauer: Dienstag, 2. Februar 2016 bis Mittwoch, 9. März 2016

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